Digitalisierung und fachliche Erschließung der Graphischen Einzelblätter der Sammlung des Architekten Albrecht Haupt (GESAH)

Technische Informationsbibliothek – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB)
Bau- und Stadtbaugeschichte, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Leibniz Universität Hannover (LUH)

Die "Sammlung Albrecht Haupt" ist eine überregional und international bedeutsame Sondersammlung der TIB. Sie wurde von dem lange Jahre an der damaligen Technischen Hochschule Hannover lehrenden Architekten und Bauforscher Karl Albrecht Haupt (1852–1932) zusammengetragen, der sie noch zu Lebzeiten der Bibliothek der TH Hannover übergab.

Bereits 1941 bewertete die Architekturhistorikerin Lieselotte Vossnack die Sammlung als einen herausragenden Bestand, „[...] vergleichbar lediglich mit der aus öffentlichen Mitteln zustande gekommenen Sammlung der Staatlichen Kunstbibliothek zu Berlin” (heute Kunstbibliothek im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Haupt selbst äußerte 1923 den Wunsch „daß die Sammlung durch ein ausführliches, wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Verzeichnis erschlossen wird und die Kenntnis von ihrem Vorhandensein in weitere Kreise in- und außerhalb Hannovers dringt.“
Dank der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kann diesem Wunsch nun entsprochen werden.

Objekt des Monats

März 2021

Olof Samuel Tempelman, „Dessein till Orgelwárck uti Roxlósa Kyrcka. I Östergöthland“, 1783

Feder, Pinsel, farb. laviert

 

TIB Slg. A. Haupt, m Sk Z 2(:5)

Eine der vielen besonderen Bestandsgruppen in der Sammlung A. Haupts bilden Ansichten und Teilgrundrisse von Orgelprospekten. Vielfach handelt es sich um näher bestimmbare, realisierte Projekte. Unter ihnen nehmen mit insgesamt elf Blättern Entwürfe schwedischer Provenienz den größten Anteil ein. Sie datieren aus den Jahrzehnten um 1800, in denen unter den Königen Gustav III. und Gustav IV. Adolf  an vielen Orten des Königreichs eine Neuausstattung der Kircheninnenräume in Angriff genommen wurde. Auf den Plänen finden sich die Signaturen unterschiedlicher, namhafter schwedischer Architekten dieser Zeit, darunter Carl Fredrik Adelcrantz (1716-1796), Louis Jean Desprez (1743–1804), Johan Christian Serén (tätig zwischen ca.  1796/92 und 1831), Carl Fredrik Sundvall (1754–1831) und Olof Samuel Tempelman (1745–1816).

Exemplarisch ist hier der von Tempelman unten rechts signierte Entwurf für ein kleineres Orgelwerk für die Kirche in Rogslösa in Östergötland herausgegriffen. Datiert ist der Plan auf Oktober 1783. Tempelman entwarf für die Westempore der aus dem 13. Jh. stammenden Kirche einen freistehenden, zweizonigen Prospekt für ein achtteiliges Orgelwerk, der in seinen dekorativen Details im  stark von Frankreich beeinflussten „gustavianischen Stil“ gehalten ist. Der Entwurf wurde 1784 von dem Organisten und Orgelbauer Lars Strömblad (1743-1807) realisiert. Unter Verwendung des Prospekts wurde die Orgel 1925-1926 durch die Göteborger Firma Olof Hammarberg durch eine neue Orgel mit freistehendem Spieltisch ersetzt.

Tempelman gilt als einer der einflussreisten Architekten in Schweden und war seit 1779/1780 als Professor an der Königlichen Akademie der Künste tätig. Sein Entwurf stammt noch aus einer Phase seiner Tätigkeit als Architekt, die sich unmittelbar an ausgedehnte Studienreisen nach Italien, Frankreich und Deutschland anschloss. In seinem umfangreichen Ouvre, in dem sich zahlreiche Projekte für Orgelprospekte über das ganze Königreich einschließlich Finnland verstreut finden lassen, ist das in der Sammlung Haupt befindliche Projekt für Rogslösa bisher nicht erfasst.
 

sp