Digitalisierung und fachliche Erschließung der Graphischen Einzelblätter der Sammlung des Architekten Albrecht Haupt (GESAH)

Technische Informationsbibliothek – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB)
Bau- und Stadtbaugeschichte, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Leibniz Universität Hannover (LUH)

Die "Sammlung Albrecht Haupt" ist eine überregional und international bedeutsame Sondersammlung der TIB. Sie wurde von dem lange Jahre an der damaligen Technischen Hochschule Hannover lehrenden Architekten und Bauforscher Karl Albrecht Haupt (1852–1932) zusammengetragen, der sie noch zu Lebzeiten der Bibliothek der TH Hannover übergab.

Bereits 1941 bewertete die Architekturhistorikerin Lieselotte Vossnack die Sammlung als einen herausragenden Bestand, „[...] vergleichbar lediglich mit der aus öffentlichen Mitteln zustande gekommenen Sammlung der Staatlichen Kunstbibliothek zu Berlin” (heute Kunstbibliothek im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Haupt selbst äußerte 1923 den Wunsch „daß die Sammlung durch ein ausführliches, wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Verzeichnis erschlossen wird und die Kenntnis von ihrem Vorhandensein in weitere Kreise in- und außerhalb Hannovers dringt.“
Dank der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kann diesem Wunsch nun entsprochen werden.

Objekt des Monats

Juni 2020

François Ignace Mangin, Entwurf für die Wandabwicklung eines Salons, Mainz 1792

Feder, Pinsel, farbig laviert

 

TIB Slg. A. Haupt, M F Z 4: (1)

In der Sammlung Haupt finden sich einige im Februar 1792 entstandene Blätter von der Hand des aus Lothringen stammenden Architekten François Ignace Mangin (1742-1809). Insgesamt sind fünf zusammengehörige Blätter mit Wandgestaltungs- und Parkettentwürfen für einen Salon erhalten, die ursprünglich offenbar zu einer Serie von mindestens acht Blättern gehörten.

Aus der Beschriftung geht hervor, dass es sich um Entwürfe für den „Comte regnant Dela Leyen“, also den regierenden Grafen von der Leyen handelte. Damit dürfte sehr wahrscheinlich der Mainzer Dompropst Graf Damian Friedrich von der Leyen gemeint sein, mit dem Mangin in enger Verbindung stand. Der im Jahr 1781 gewählte Dompropst von der Leyen hatte Mangin noch in diesem Jahr mit den Neubauplanungen für die dortige Dompropstei beauftragt. Mit dem 1786 fertiggestellten, als Dreiflügelanlage mit Ehrenhof konzipierten Gebäude schuf sich von der Leyen eine repräsentative Stadtresidenz, die jedoch nur wenige Jahre existierte. Durch die Bombardierung während der Belagerung der Stadt Mainz durch preußische und österreichische Koalitionstruppen wurde die Dompropstei am 29. Juni 1793 stark beschädigt und letztendlich 1808 abgetragen.

Allerdings sind die in der Sammlung Haupt erhaltenen Entwürfe Mangins nur schwer mit den Planungen für die Dompropstei in Übereinstimmung zu bringen. Irritierend ist neben dem späten Anfertigungsdatum der Entwürfe, dass sie sich nicht gut im Grundriss des Gebäudes verorten lassen. Eher wahrscheinlich ist daher, dass es sich um Entwürfe für ein anderes Gebäude handelt, das in den frühen 1790er Jahren für die Adelsfamilie von der Leyen errichtet oder umgebaut werden sollte.

Ungeachtet dieser Zuordnungsfrage, deren Klärung wir uns im Laufe des Projektes noch erhoffen, bezeugen die nicht nur für die lokale Architekturgeschichte äußerst wertvollen Zeichnungen eine hohe künstlerische Qualität, die den in Paris ausgebildeten Architekten Mangin als bemerkenswerten Vertreter des französischen Klassizismus auszeichnet. Mangin konnte besonders in den Kurfürstentümern Trier und Mainz eine Reihe von Bauten und Projekten realisieren, unter denen neben der Mainzer Dompropstei besonders das Schloss Monaise bei Trier (1779-1783), die Innenausstattung des Koblenzer Schlosses (bis 1787) und der Umbau des Jagdschlosses Niederwald mit seinen Gartenbauten (1787-1791) hervorzuheben sind.

sp