Digitalisierung und fachliche Erschließung der Graphischen Einzelblätter der Sammlung des Architekten Albrecht Haupt (GESAH)

Technische Informationsbibliothek – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB)
Bau- und Stadtbaugeschichte, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Leibniz Universität Hannover (LUH)

Die "Sammlung Albrecht Haupt" ist eine überregional und international bedeutsame Sondersammlung der TIB. Sie wurde von dem lange Jahre an der damaligen Technischen Hochschule Hannover lehrenden Architekten und Bauforscher Karl Albrecht Haupt (1852–1932) zusammengetragen, der sie noch zu Lebzeiten der Bibliothek der TH Hannover übergab.

Bereits 1941 bewertete die Architekturhistorikerin Lieselotte Vossnack die Sammlung als einen herausragenden Bestand, „[...] vergleichbar lediglich mit der aus öffentlichen Mitteln zustande gekommenen Sammlung der Staatlichen Kunstbibliothek zu Berlin” (heute Kunstbibliothek im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Haupt selbst äußerte 1923 den Wunsch „daß die Sammlung durch ein ausführliches, wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Verzeichnis erschlossen wird und die Kenntnis von ihrem Vorhandensein in weitere Kreise in- und außerhalb Hannovers dringt.“
Dank der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kann diesem Wunsch nun entsprochen werden.

Objekt des Monats

September 2020

Georg Ludwig Friedrich Laves, Ansicht und Grundriss eines Ehrenbogens für Georg IV., 1821

Feder und Pinsel, laviert

 

TIB Slg. Albrecht Haupt, Kl. D. Z. 13

In der Sammlung Albrecht Haupts finden sich nur sehr wenige Zeichnungen mit lokalem Bezug zu Hannover.  Unter ihnen sticht eine Zeichnung des Hannoverschen Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves (1788–1864) besonders hervor. Es handelt sich hierbei um den Entwurf für eine Ehrenpforte, den Laves anlässlich des Einzugs König Georgs IV. in Hannover im Oktober 1821 anfertigte. Aus der dazu 1822 von Heinrich Dittmer veröffentlichten „Beschreibung aller Feierlichkeiten, welche in dem Hannoverschen Lande bey der Anwesenheit Seiner Königl. Majestät Georgs des Vierten […] veranstaltet worden sind“, geht hervor, dass Laves für diesen Anlass die Vorlagen für eine Vielzahl von weiteren Ehrenbogen und Kleinarchitekturen lieferte, darunter Ehrenpforten für die „Gartengemeinden“ der Hannoverschen Vorstadt Herrenhausen, die Dörfer Linden und Blumenau sowie für private Auftraggeber. Insgesamt säumten den Weg, den Georg IV. bei seinem Besuch über Osnabrück, Hannover, Göttingen und Hannoversch Münden durch zahlreiche Städte und Orte zurücklegte über 40 solcher Ehrenpforten sowie zahlreiche kleinere Festarchitekturen.
 

Die abgebildete, von den Bürgern der Altstadt und der Calenberger Neustadt gespendete Ehrenpforte war die aufwendigste dieser Art entlang der Route. Sie stand am Steintor und war „im edlen classischen Style gebildet“, der Laves‘ Architektur in seiner feinen Durchbildung und Proportionierung auszeichnet. Der hier von der Ostseite (im Aufriss) gezeigte Bau bestand aus einer Holzkonstruktion, dem Säulen, Gebälk und Gesimse im korinthischen Stil vorgeblendet waren. Für den ornamentalen Schmuck mit Wappen und Emblemen, Inschriften, Bild- und Relieffeldern mit allegorischen Figuren sorgten der Hofmaler Johann Heinrich Ramberg (1763-1840), der Theatermaler Friedrich August Günther und der Bildhauer Heinrich Ludwig August Hengst (1796-1868).

Zum Bedauern der Zeitgenossen wurde das „colossale Kunstgebilde“ am 18. März 1822 wieder abgerissen. Der von Laves eigenhändig signierte Plan dürfte als Vorlage für den bei Dittmer abgebildeten Stich gedient haben, von dem sie aber in einigen Details leicht abweicht. Der Entwurf von ephemeren Architekturen wie Ehrenpforten oder Katafalken gehörte zum gängigen Arbeitsfeld der Baumeister dieser Zeit. Von den Architekten wurden die mit viel Sorgfalt ausgeführten Entwürfe vielfach als Referenzentwürfe angesehen und daher auch gerne publiziert oder in Kopien in Umlauf gebracht.

 

sp