Digitalisierung und fachliche Erschließung der Graphischen Einzelblätter der Sammlung des Architekten Albrecht Haupt (GESAH)

Technische Informationsbibliothek – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek Hannover (TIB)
Bau- und Stadtbaugeschichte, Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Leibniz Universität Hannover (LUH)

Die "Sammlung Albrecht Haupt" ist eine überregional und international bedeutsame Sondersammlung der TIB. Sie wurde von dem lange Jahre an der damaligen Technischen Hochschule Hannover lehrenden Architekten und Bauforscher Karl Albrecht Haupt (1852–1932) zusammengetragen, der sie noch zu Lebzeiten der Bibliothek der TH Hannover übergab.

Bereits 1941 bewertete die Architekturhistorikerin Lieselotte Vossnack die Sammlung als einen herausragenden Bestand, „[...] vergleichbar lediglich mit der aus öffentlichen Mitteln zustande gekommenen Sammlung der Staatlichen Kunstbibliothek zu Berlin” (heute Kunstbibliothek im Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Haupt selbst äußerte 1923 den Wunsch „daß die Sammlung durch ein ausführliches, wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendes Verzeichnis erschlossen wird und die Kenntnis von ihrem Vorhandensein in weitere Kreise in- und außerhalb Hannovers dringt.“
Dank der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kann diesem Wunsch nun entsprochen werden.

Objekt des Monats

Dezember 2020

Josef Hager, Ansicht und Grundriss einer sakralen Portalarchitektur, um 1760

Federzeichnung, laviert

 

TIB Slg. Albrecht Haupt, kl. D. Z. 11:7

Von der hohen kompositorischen und zeichnerischen Meisterschaft des böhmischen Künstlers Josef Hager (1726–1781) zeugt das hier gezeigte Blatt einer mehrstöckigen Portalarchitektur. Die im oberen Bildfeld skizzierte Darstellung der Madonna mit Jesuskind und einem Heiligen (vermutlich der Hl. Lukas, der hier mit einer Leinwand und einem Buch (Evangelium) dargestellt sein könnte)) weist möglicherweise auf einen Entwurf in einem kirchlichen oder klösterlichen Kontext hin. Vielleicht spielt Hager hier aber auch auf den Heiligen Lukas als Schutzpatron der Kunstmaler und damit auf sein Selbstverständnis als aus dem Glauben schöpfender Künstler an. Hager, der bei dem Maler Johann Karl Kowarz in Prag und bei den Szenografen und Theaterarchitekten Antonio d’Agostino und Antonio Galli da Bibiena in Wien seine Ausbildung absolvierte, machte sich besonders mit seinen spätbarocken illusionistischen Scheinkuppeln und Altararchitekturen im böhmischen und mährischen Raum einen Namen. Obwohl von Hager lediglich einige gebaute Altarprojekte bekannt sind, bezeichnete er sich selbst gerne als „Architect“ – so auch in einem Vermerk auf der Rückseite des Blattes.

Insgesamt sind in der Sammlung Haupt sechs Blätter Hagers mit illusionistischen Altararchitekturen, Scheinkuppelentwürfen und Phantasieszenerien vorhanden. Diese Blätter gewähren zudem einen aussagekräftigen Einblick in sammlungsgeschichtliche Zusammenhänge: Auf ihnen ist jeweils vermerkt, dass sie der bedeutenden Sammlung des böhmischen Grafen Franz Joseph von Sternberg (1763-1830) – ab 1780 Graf von Sternberg-Manderscheid – entstammen. Nach dessen Tod wurde die Sammlung in Prag 1831 veräußert, und die Blätter gelangten vermutlich über einen Zwischenbesitzer in die Sammlung Albrecht Haupts.

sp