Im Projekt AVefi (Automatisiertes Verbundsystem für audiovisuelle Bestände über einheitliche Filmidentifikatoren) wird ein institutionsübergreifendes, webbasiertes System entwickelt und erprobt, mit persistenten Identifikatoren (PID) in zentraler Rolle. Dieses soll der Identifikation und Verknüpfung von Filmen, ihren Fassungen und Datenobjekten bzw. Exemplaren aus heterogenen Beständen dienen.
Projektgegenstand
Die Vernetzung standardisierter wissenschaftlicher Metadaten über Institutionen hinweg ist ein übergeordnetes gesellschaftliches Ziel. Es ermöglicht effizientere Strukturen, weitere Innovationen und knüpft damit an die Tradition der großen Verbünde im Archiv- und Bibliotheksbereich an. Zu diesem übergeordneten Ziel leistet das Projekt AVefi einen neuartigen Beitrag auf dem Gebiet audiovisueller Bestände und ihrer Nachweise für die wissenschaftliche Forschung und das Kulturerbe. Es werden insbesondere Film- und Medienwissenschaften, aber auch die interdisziplinären Geistes- und Kulturwissenschaften, vor allem die Digital Humanities, adressiert.
Mit einem institutionsübergreifenden, webbasierten System schafft Avefi eine Forschungsinfrastruktur zur Identifikation von AV-Werken, den dazugehörenden Fassungen und Datenobjekten, die mithilfe von persistenten Identifikatoren (PID) miteinander verknüpft werden. Das PID-System mit den einheitlichen Filmidentifikatoren (efi) übernimmt die Funktion einer zentralen Datenbank. Es führt die existierenden Metadaten der unterschiedlichen Fassungen und Materialien aus den originalen Datenbanken verschiedener Institutionen strukturiert und möglichst automatisiert zusammen. Damit sichert es die freie und langfristige Verfügbarkeit dieser Informationen für die Öffentlichkeit. Automatische Synchronisations- und Abgleichsroutinen unterstützen die Disambiguierung und die Zuordnung der Metadaten verschiedener Institutionen. Das Verbundsystem soll das bestehende Angebot filmischer Identifikatoren und (Norm-)Daten, zum Beispiel von Filmportal, EIDR, GND, NFDI4Culture, sinnvoll ergänzen. AVefi bietet dafür eine eigene Recherche- und Redaktionsoberfläche mit engem Bezug zu den Beständen.
Projektziele
Das initiale zweijährige Projekt (11/2023–10/2025) diente in enger Zusammenarbeit mit Praxispartnern und Vertreter*innen von Forschungscommunities nicht nur der beispielhaften, modularen Entwicklung und Erprobung des Systems auf technischer Ebene. Im intensiven Austausch, insbesondere bzgl. des Metadatenmanagements galt es gemeinsam detaillierte Anforderungen, Regeln und Workflows im Verbund mit dem Ziel einer anknüpfungsfähigen, dauerhaften Gestalt zu erarbeiten.
Langfristig soll das System dem Nachweis und der Verknüpfung von AV-Beständen jeglicher Herkunft und Gattung dienen. Mit dem Projekt wird zudem eine Lücke bearbeitet: mit besonderem Blick auf Unterrichts-, Lehr und Wissenschaftsfilme sowie auf ephemeres Filmmaterial oder Amateurfilme sollen diese Gattungen erstmals in einem Verbundsystem als “kleiner” Film” neben dem “großen” Film der Forschung zur Verfügung stehen. Durch eine niedrigschwellige, automatisierte, ressourcenschonende Technologie, wird insbesondere auch kleineren Institutionen die Möglichkeit der Projektteilnahme und -teilhabe gegeben.
Das dreijährige Fortsetzungsprojekt AVefi plus (11/2025–10/2028) baut auf den Ergebnissen der ersten Phase auf. Phase II (Implementierung) verfolgt drei Hauptziele:
1. Weiterentwicklung des prototypischen Verbundsystems zu einem verlässlichen Dienst mit Betriebsmodell.
2. Erweiterung der AVefi-Community und Integration weiterer (internationaler) Datenquellen mit besonderem Fokus auf filmbegleitende Materialien.
3. Weitreichende Kommunikations- und Communityarbeit, insbesondere zur Förderung von Datenkompetenzen in den Medien- und Filmwissenschaften sowie den Digital Humanities.
Die in der ersten Projektphase entwickelten Regeln und netzwerkbasierte Technologie zur Erfassung von Werksentitäten und Manifestationen bilden die Grundlage für die systematische Einbindung filmbegleitender Materialien wie Fotografien, Drehbücher und Produktionsakten. Diese ermöglichen eine interdisziplinäre Forschung zu gesellschaftlichen, technischen und soziologischen Aspekten der Filmentstehung. Heterogene Sammlungen werden zunehmend digitalisiert und nach objekttypischen Erschließungsstandards erfasst. Um eine übergreifende Zuordnung zu ermöglichen, ist es essentiell, sie eindeutig als Bestandteil eines Werkes zu kennzeichnen. AVefi plus wird daher besonders Lösungen für filmbegleitende Materialien erarbeiten, um deren Integration in die Forschungsinfrastruktur zu sichern.
Akteure
Verbundprojektpartner sind: die TIB - Leibniz-Informationszentrum für Technik und Naturwissenschaften, die Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (SDK), Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG), das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf (FMDU) und seit Beginn der zweiten Förderphase das Marburg Center for Digital Culture and Infrastructure (MCDCI). Diese werden von Praxispartnern in verschiedenen Rollen begleitet und unterstützt.